Seit meiner Jugend begleitet mich die Migräne. Heute am Welt-Migräne-Tag, möchte ich meine persönliche Erfahrung teilen, um der oft unterschätzten Krankheit etwas mehr Sichtbarkeit zu schenken.

Die Hochzeit einer Freundin? Hoffentlich halte ich durch. Ein wichtiges Meeting? Bitte keinen Ausfall. Der geplante Familienausflug? Hoffentlich kann ich es genießen. Ein Wetterumschwung? Hoffentlich muss ich nicht absagen.

Ein einziges Paradoxon. Viele Tage konnte ich in meinem Leben nicht aktiv gestalten, denn Migräne-Attacken lassen sich nicht in den Terminkalender einplanen. Sie überwältigen mich und kommen meistens dann, wenn ich es absolut nicht brauchen kann.

Ein prall gefüllter Terminkalender, zu viele private und berufliche Verpflichtungen, ein Event reiht sich an das nächste – der Mental Load steigt stetig. Geburtstagsgeschenk für Mutti? Klar, das schaffe ich auch noch!

Und dann: Knock-out! Mein Gehirn zieht den Stecker. 🔌 Mein Körper wird lahmgelegt. Schweißausbrüche. Übelkeit. Erbrechen. Stechende Schmerzen an der Schläfe. Licht verstärkt das Stechen. Geräusche hallen 100-mal intensiver in meinem Kopf. Stundenlang liege ich im abgedunkelten Raum und wälze mich im Bett hin und her.

Nach 12 bis max. 30 Stunden haben sich meine Attacken wieder in Luft aufgelöst. Danach fühle ich mich verlangsamt, als müsste ich in ein neues Tempo finden.

Meine Besuche bei Ärzten & Neurologen haben mir in der Vergangenheit wenig Hoffnung gegeben. Nur resignierendes Schulterzucken: „Wenn es nicht mehr als 4 x im Monat ist, dann ist es noch nicht chronisch – da müssen Sie selbst Ihre Trigger herausfinden.“ 😣

Tja, da stand ich also & musste selbst Lösungen finden. Für viele von uns Migräniker:innen ist es oft ein langer, komplexer und beschwerlicher Weg, die richtige Behandlung & Bewältigung für diese Krankheit zu finden.

Was mir geholfen hat? Der Austausch mit anderen Betroffenen, Nährstofftherapie & Regulationsmedizin. Doch das Wichtigste: Akzeptanz. Ich kann die Krankheit nicht besiegen, aber ich kann lernen, mit ihr zu leben. Meinen Körper verstehen lernen und die Grenzen ausfindig machen, bevor es zum nächsten Shutdown kommt.

Für mich sind meine Trigger längst klar. Zu viel Stress, keine Zeit für aktive Erholung & Entspannung und gestörter Schlaf & Schlafmangel, aber auch Alkohol begünstigen meine Attacken. Doch ich lerne immer besser, meine frühen Anzeichen zu deuten und zu handeln. Die Häufigkeit & Intensität meiner Attacken sind sehr zurückgegangen, und darauf bin ich sehr stolz. 💪

Migräne ist keine faule Ausrede oder eine vorgeschobene Entschuldigung. Ich wünsche mir mehr Aufklärung, Unterstützung und somit Verständnis für dieses Krankheitsbild in unserer Gesellschaft. Denn Migräniker:innen wie ich sind täglich damit konfrontiert und ringen um Anerkennung und Akzeptanz. 💚

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